Clip2net_151116115632Mitreißend: Bekannte und weniger bekannte Arien aus Opern und Operetten

NEUMARKT – Einen Opern- und Operettenabend der besonderen Art in der Residenz: Unter dem Motto „Dein ist mein ganzes Herz“ präsentierten vier Sängerinnen und Sänger unter Federführung der Sopranistin Natalia Salesskaja bekannte Arien, aber auch zu Unrecht in Vergessenheit geratene Stücke.

Natalia Salesskaja war unter anderem Solistin der Moskauer Staatsoper. Ihr Mann Boris Kogan ist nicht nur Tenor, sondern auch Pianist und war für den Moskauer Rundfunk tätig. Sopranistin Rodika Arhirii stammt aus Moldawien und feierte Erfolge als Operettensängerin.

Bass Alexander Heydeck schlug sich als Nichtprofi achtbar im Vergleich zu seinen Mitsängern: Der gelernte Grafikdesigner ist über die Musikschule von Natalia Salesskaja und Boris Kogan zum Gesang gekommen. Wenn nicht Kogan selbst in die Tasten griff, übernahm Taras Yachshenko die Begleitung am Flügel.

Einen ersten Eindruck ihres Könnens vermittelten die Protagonisten dse Abends mit einem eigenen Arrangement der „Barcarole“ aus „Hoffmanns Erzählungen“ von Jaques Offenbach. Ebenfalls ungewöhnlich ging es weiter mit der Arie der Margarete aus Charles Gounods „Faust“, mit der Rodika Arhirii brillierte.

Auch Boris Kogan setzte in seiner ersten Solonummer nicht auf die sichere Bank, sondern interpretierte „Fredericos Lamento“ aus „L’Arlesiana“ des Puccini-Zeitgenossen Francesco Cilea.

Zwischen einem von Natalia Salesskaja ausdrucksstark zu Gehör gebrachten „Ritorna vincitor“ aus Verdis „Aida“ und einem Duett von Rodika Arhirii und Alexander Heydeck aus Mozarts „Don Giovanni“ fanden abermals Exoten ihren Platz wie die „Serenade von Smith“ aus Bizets „Das schöne Mädchen von Perth“ und ein Duett über die Verwerflichkeit des Glücksspiels aus Tschaikowskys „PikDame“. Die vereinte Stimmgewalt der Interpreten bewies der Gefangenenchor aus „Nabucco“, mit dem die Sänger das Publikum in die Pause entlie- ßen.

Größere Herausforderung

Der zweite Teil des Abends stand im Zeichen der Operette. Conférencier Andreas Schimkus betonte, dass diese aufgrund ihrer Tiefe und ihres häufig ironischen und parodistischen Ansatzes durchaus gegen die Oper bestehen könne – und bisweilen die größere sängerische Herausforderung darstelle. Für Neumarkt hatte sich das Ensemble „Die Fledermaus“ ausgesucht. Hier spielten Natalia Salesskaja und Boris Kogan die Lügenszene mit dem Streit Gabriel von Eisensteins und seiner Frau Rosalinde, bevor Alexander Heydeck für das Terzett „So muss allein ich bleiben“ dazu stieß. Mit dem Csárdás „Klänge der Heimat“ interpretierte Rodika Arhirii eindrucksvoll eines der bekanntesten Stücke aus der bekanntesten Operette von Johann Strauss.

Die von Andreas Schimkus beschworene „Champagnerstimmung“ beim Ball des Prinzen Orlofsky sprang beim Duett, in dem Gabriel um seine verkleidete Frau wirbt, ebenso auf die Zuhörer über wie bei „Im Feuerstrom der Reben“. So konnten die Künstler ihre Gäste auf einen beschwingten Nachhauseweg entlassen – natürlich nicht ohne Zugabe: Beim Medley aus „Funiculì, Funiculà“ und „Ja, ja, der Chiantiwein“ war das Publikum mit Begeisterung dabei. mmh